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UNTERNEHMEN/MARKT

Chemie lohnt sich wieder
CHEMIEKONJUNKTUR Dass sich die chemische Industrie von den Folgen des Krisenjahres 2009 überraschend schnell erholt, wie der Branchenverband VCI berichtet, belegen die Ergebnisse wichtiger europäischer und US-Unternehmen. In Deutschlands viertgrösster Branche sind nahezu alle Produktionsanlagen wieder in Betrieb und fast auf dem üblichen Niveau ausgelastet.
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die deutsche Chemieproduktion im ersten Halbjahr 2010 um 13 Prozent.
Der Verband erwartet für das Gesamtjahr 2010 eine Steigerung der Chemieproduktion um 8,5 Prozent, der Umsatz soll um
10 Prozent zulegen.
UNTERNEHMEN/MARKT

Prozesspumpen:
Neuer Player in der Schweiz
HänyTec Die HänyTec AG mit Sitz im luzernischen Nebikon bietet Pumpenlösungen für die Getränke-, Lebensmittel- und Pharmaindustrie und ist im Servicegeschäft tätig. Nicht zuletzt dank der Unterstützung ihrer «grossen Schwester», der Häny AG Jona, kann die neue Firma als umfassender Lösungsanbieter auftreten.
UNTERNEHMEN/MARKT

Dow fungiert als starker Partner
VALUEPARK SCHKOPAU* Mit der Eröffnung des ValuePark
1998 setzte die Dow Olefinverbund GmbH neue Massstäbe: Erstmals war ein Industriepark als thematisch ausgerichteter Investitionsstandort angelegt. Die Investoren sind in die unternehmensinterne Produkt- und Servicelieferkette eingebunden. So werden Synergien und bessere Wettbewerbsbedingungen sowie Wachstumsmöglichkeiten für alle ansässigen Partner geschaffen. Der ValuePark will auch in Zukunft weiter wachsen.
Biotechnologie

Kleiner, rascher, billiger
Einweg-Bioreaktoren Interessenten aus aller Welt trafen sich vom 7. bis 9. Juni 2010 an der ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft) Wädenswil, um die Chancen der Einweg-Technologie in der biopharmazeutischen Produktion zu erkunden.
Zellen in Plastikbeuteln mit Wellenbewegungen kultivieren? Undenkbar!» entsetzten sich konservative Geister im Jahr 1998, als junge Amerikaner und Schweizer Forscher den ersten Einweg-Bioreaktor im Liter-Massstab auf den Markt brachten. Doch die Wissenschaftler Regine und Dieter Eibl am Institut für Biotechnologie (IBT) der ZHAW Wädenswil witterten Erfolgspotenzial im Einsatz von «Disposables» für das Biomanufacturing. Sofort begannen sie, Single-Use-Technologie in ihrer Fachgruppe Bioverfahrenstechnik und Zellkulturtechnik einzusetzen, schleusten das Thema in den Lehrplan ein und initiierten Projekte mit Biotech-Unternehmen. Eines davon ist Sartorius Stedim Biotech, welche die Wave Biotech AG – Spiritus rector der ersten Disposables – übernahm und nun komplette Prozesse bis zum mittleren Volumenbereich mit Single-Use-Equipment gestalten kann.
Analytik

Nicht-invasive Zuckermessung kommt
Bioanalytik Ein schneller und zuverlässiger Blutzuckertest ohne den berühmten Stich in den Finger – Millionen Diabetikern würde so der Umgang mit ihrer Krankheit erträglicher gemacht. Positive Signale in Sachen nicht-invasiver Blutzuckermessung kommen derzeit unter anderem aus Zürich.
Die Zahl ist erschreckend: 200 Millionen Menschen leiden an Diabetes. Und weil jedem – dank gewaltiger Fortschritte in der Medizin – geholfen werden kann, hat sich ein Milliardenmarkt entwickelt, der immer wieder Wissenschaftler, aber auch Glücksritter auf den Plan ruft. Allein die Blutzuckerbestimmungen, die die Patienten bis zu fünfmal täglich in Eigenregie durchführen, haben ein Marktvolumen von etwa 8 Milliarden Dollar. Zahlreiche Start-up-Unternehmen sind angetreten, manch ein Spin-off forscht mit Geldern williger Risikokapitalgeber – und eine riesige Internet-Comunity beäugt misstrauisch die Fortschritte und wird zunehmend ungeduldig, denn lange hat sich jetzt schon nichts mehr richtig bewegt. Ausser vollmundigen Ankündigungen.
Werkstoffe

Nachwachsende Rohstoffe –
ständige Begleiter der Kunststoffentwicklung
BIOPOLYMERE Die in der Technikgeschichte noch recht jungen organischen Werkstoffe werden seit fast genau 100 Jahren mit dem Wort «Kunststoffe» bezeichnet. Ihre Historie beginnt mit «plastischen Massen» aus natürlich vorkommenden Harzen und mit chemisch modifizierten Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen. Inzwischen spielen nachwachsende sowie synthetische bioabbaubare Polymere eine immer grössere Rolle – auch deshalb, weil sie neue Materialeigenschaften und Einsatzgebiete erschliessen können.
Historisch begann die durch den Anfang der industriellen Produktion gekennzeichnete Frühzeit der Kunststoffe (ab etwa 1800) praktisch ausschliesslich mit natürlich vorkommenden, in ihrer Chemie damals noch weitgehend unbekannten Polymeren. Dabei sei daran erinnert, dass das Wort Kunststoff erst um 1910 von Richard Escales (1863 – 1924) geprägt wurde. Bis zu einer systematischen Entwicklung des Kunststoffgebiets auf wissenschaftlicher Basis war aber noch ein weiter Weg: Erst nach und nach wurde erkannt, dass Kunststoffe verglichen mit den meisten chemischen Stoffen aus sehr grossen Molekülen bestehen, die ihre Werkstoffeigenschaften bestimmen. Der deutsche Nobelpreisträger Hermann Staudinger (1881 – 1965) prägte für diese Riesenmoleküle um 1920 den Ausdruck «Makromoleküle». Die heute trivial erscheinende, damals aber in der Wissenschaft heftig umstrittene Frage nach der Existenzfähigkeit derart grosser Moleküle wurde erst allmählich und nach langwierigen Diskussionen zwischen 1920 und 1940 im Sinne Staudingers entschieden.
Werkstoffe

Vom schwarzen Silizium zu
optimierten Thermoelektrika
Mikro-Nano-Integration Während die letzten beiden Jahrzehnte von einem Einzug der Mikrosystemtechnik in zukunftsträchtige Anwendungsgebiete gekennzeichnet waren, wird die Nanotechnologie über grosse Bereiche noch von der Grundlagenforschung dominiert. Zu den grossen Herausforderungen gehört die Integration von Nanostrukturen in Mikrosysteme. Ein Workshop lieferte hierzu ein «Updating».
Spannende Entwicklungen zeichnen sich zurzeit an der Schnittstelle von Mikro- und Nanotechnik ab. So birgt die Integration von Nanomaterialien in Mikrosysteme grosse Chancen in der Weiter- und Neuentwicklung innovativer Systeme in zukunftsträchtigen Anwendungsbereichen. Als Folge stossen die Entwicklungen aus den Labors auf ein rasch wachsendes industrielles Interesse.
FORSCHUNG/INNOVATION

Ziel: Medikamente ohne Nebeneffekte
WIRKSTOFFFORSCHUNG Im Rahmen des Biotechnet Switzerland entwickeln Forscher von Roche zusammen mit der FHNW Muttenz, der ZHAW Wädenswil und den Strukturbiologen des National Center of Competence in Research an der Uni Zürich neue Methoden für die Expression des Ionenkanals hERG.
Ziel der Forschungsarbeiten ist es, neue Medikamente zu entwickeln, frei von den durch die Wechselwirkung von Wirkstoffen mit dem Ionenkanal bedingten Nebeneffekten.
Der Fall ist Insidern der Branche noch zu gut im Gedächtnis: In den 90er-Jahren war das Antiallergikum Seldane weit verbreitet im Markt. Lange Zeit bemerkte niemand, dass der darin enthaltene Wirkstoff die so- genannten hERG-Kanäle auf der Oberfläche der Herzmuskelzellen blockiert und die Kontraktion des Herzmuskels beeinträchtigen kann.
FORSCHUNG/INNOVATION

Organische Elektronik auf Zielgerade
Innovation Die organische Elektronik wird die herkömmliche Elektronik zwar nicht verdrängen, aber die «Elektronisierung» der Welt in neue Dimensionen führen. Noch ist dies indes Zukunftsmusik. Während z.B. kleine OLED-Displays schon zum Alltag gehören, suchen Forscher noch nach relevanten «Killertechnologien» und nach Druckverfahren, die wettbewerbsfähige Produkte ermöglichen.
Als man in den 1970er-Jahren konjugierte Polymere durch Dotierung dazu brachte, Strom so gut zu leiten wie Kupfer und kurz darauf Licht emittierende Dioden aus organischen Halbleitern entdeckt wurden, öffnete sich ein Markt, der versprach, bald elektronische Bauteile nicht nur bei viel niedrigeren Temperaturen (um die 200 Grad Celsius) herstellen zu können als heute. Flexibel und grossflächig würden sie zudem sein und bald mit einer Geschwindigkeit entstehen, wie eine Tageszeitung in der Druckerei: mit 120 bis 180 Stundenkilometern. Bei der Konkurrenz ist dagegen Langsamkeit Trumpf: Defekt-armes kristallines Silizium wächst im Schneckentempo aus seiner 1400 Grad Celsius heissen Schmelze.
FORSCHUNG/INNOVATION

Wie unterscheiden Pflanzen
zwischen «Freund» und «Feind»?
Angeborene Immunität Unabhängig vom adaptiven, auf der Bildung von Antikörpern basierenden und auf höhere Wirbeltiere beschränkten Immunsystem besitzen Organismen mit Zellkern ein angeborenes Immunsystem, das Pathogene beim erstmaligen Eindringen erkennt und bekämpft. Mustererkennungsrezeptoren spielen dabei eine wichtige Rolle, wie Basler Biologen an Pflanzen zeigen.
Wie Mensch und Tier werden auch Pflanzen von mikrobiellen Krankheitserregern – Viren, Bakterien, Pilzen – bedroht. Beispiele für pflanzliche Bakteriosen sind der Bakterienbrand an Obstbäumen, die Fettfleckenkrankheit bei Bohnen, die Ringfäule an Kartoffeln. Die allgegenwärtigen Pathogene dringen über Wunden und durch natürliche Öffnungen in Pflanzen ein, die mit gelben Blättern, schleimigen Belägen, dunklen Flecken, faulen Stängel und abgestorbenen Trieben reagieren. Wenn solche Schäden sichtbar werden, hat der Mikroorganismus den Kampf gegen das Immunsystem der Pflanze meist schon gewonnen.
FORSCHUNG/INNOVATION

Batterien im Staubkorn
Handelsübliche Batterien bestehen aus aufgewickelten Schichten. «Dadurch lassen sich bisher Batterien nur begrenzt verkleinern, denn das Aufwickeln der Lagen funktioniert lediglich auf makroskopischer Ebene», erklärt Prof. Dr. Oliver G. Schmidt, Inhaber der Professur Materialsysteme der Nanoelektronik an der TU Chemnitz. Seine Forschergruppe an der TU Chemnitz und am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW Dresden), wo Schmidt Direktor des Instituts für Integrative Nanowissenschaften ist, hat eine Lösung entwickelt, diese Begrenzung in der Miniaturisierung aufzuheben.
FILTRAT

Zu wenige Frauen erklimmen
die Spitze der Karriereleiter
MANAGEMENT Frauen sind in Führungspositionen der chemischen Industrie immer noch stark unter-
repräsentiert. Die Autorin Bärbel Gurnik, Leiterin des Seminarprojekts Academia Fidentia, beschreibt Gründe für diesen auch aus ökonomischer Sicht problematischen Zustand und skizziert Lösungswege.
Frauen verfügen heute – statistisch gesehen – über eine gute Bildung und Ausbildung. Mehr Frauen als Männer machen Abitur, mehr Frauen absolvieren ein Studium, und im Schnitt erzielen sie bessere Abschlüsse als ihre männlichen Kollegen.
Aber nach wie vor sind Frauen in den Spitzengremien der deutschen Unternehmen massiv unterrepräsentiert. In den 200 grössten Unternehmen sind gerade mal 2,5 Prozent der obersten Führungspositionen von Frauen besetzt. Der Frauenanteil in den oberen bis mittleren Managementebenen sank im 2009 auf das Niveau von 2004 und beträgt gerade mal 27 Prozent.